Krankenhausaufenthalt und Blutkonserven

Pünktlich zu Weihnachten brauchte ich während meines vierten Zyklus Blutkonserven, da meine Blutwerte durch die Hodgkin Chemotherapie so schlecht waren. Bereits einige Tage zuvor habe ich anhand der Blutbildentwicklung vorhergesehen, dass es an den Weihnachtsfeiertagen soweit sein würde. Immerhin hatte ich bisher keine derartigen Nebenwirkungen wie im dritten Zyklus.

 

So wollte ich Weihnachten eigentlich nicht ausklingen lassen… Nachdem ich schon das Familienessen wegen Ansteckungsgefahr ausfallen lassen musste, verschlechterte sich mein Wohlbefinden am 26. Dezember Stunde um Stunde, bis ich mich nachmittags so schlecht fühlte, dass ich den Weg ins Krankenhaus antrat. Ich vermutete schon, dass es am schlechten HB-Wert liegt und ich Blutkonserven brauche. Ich konnte mich kaum anstrengen, ohne dass mir schwindelig wurde. Zudem hatte ich das Gefühl, geistig abwesend zu sein. So habe ich mich fast am Adventskranz angefackelt, weil ich ohne Bedenken über die Kerzen gegriffen habe.

Eigentlich war ich davon ausgegangen, dass ich Blutkonserven bzw. Erythrozytenkonzentrat bekomme und dann wieder gehen kann. Mein Onkologe, der zufällig Bereitschaftsdienst hatte, wollte mich aber zur Sicherheit da behalten, da er die Sorge hatte, mein schlechtes Allgemeinbefinden läge nicht nur am niedrigen HB-Wert, sondern vielleicht an einem sich anbahnenden Infekt. Ein Schnelltest ergab einen HB-Wert von 7,5g/dl. Normal sind bei Männern Werte zwischen 14-18g/dl. Dazu muss aber gesagt werden, dass es keinen festen Wert gibt, ab wann man sich wirklich schlecht fühlt, dies ist von Person zu Person zum Teil sehr verschieden.

Feiertags keine Blutkonserven für mich

Zunächst sagte man mir, ich würde heute noch Blutkonserven bekommen, damit es mir besser geht, doch es passierte gar nicht. Ich bekam ein bisschen Kochsalz mit Elektrolyten, was mir logischerweise nur begrenzt half. Auch mein Blutbild, welches normalerweise 5 Minuten dauert, bekam ich nicht. Ich wusste also auch nicht, wie es um meine Immunabwehr stand, weshalb ich große Sorge hatte mich anzustecken, da ich zeitlich wieder kurz vor meinem großen Leukozyten-Tiefpunkt stand. Es war zudem zu erwarten, dass diese noch stärker fallen würden als beim letzten Mal, wodurch ich natürlich besonders vorsichtig sein wollte. Als ich dann das Essen sah, was ich zum Abendbrot bekam, entschied ich mich, lieber nur das Brot mit Butter zu essen. Ich bekam dazu einen Nudelsalat, Käse und offene Leberwurst. Alle drei Sachen sahen so aus als würden sie schon länger liegen. Zuhause sollte ich also aufpassen und nur einzeln abgepackte oder gekochte Dinge essen, hier bekam ich jetzt Essen was offensichtlich schon länger nicht mehr kühl stand.

Als meine Eltern mir ein paar Klamotten vorbeibrachten, bekam ich auch noch mein Weihnachtsessen von zuhause, sodass ich nicht verhungern musste.

Das große Fazit des Tages war also, dass ich lieber hätte zuhause bleiben können, da mir im Krankenhaus an diesem Tag auch nicht geholfen wurde.

Der nächste Morgen – Immer noch nichts

Am nächsten morgen wurde ich sehr früh durch eine Schwester geweckt, die Fieber messen wollte und Blut abnahm. Ich hatte nicht gut geschlafen, da ungefähr jede Stunde jemand meine Zimmertür öffnete und wohl nachsah, ob ich noch lebe.
Nach ihrem Besuch widmete ich mich dem Frühstück (übrigens immer noch ohne Info, was nun mit mir passiert). Mama und Papa hatten mir Nutella mitgegeben, da ich bei seit meinem letzten stationären Aufenthalt Krankenhaus-Marmelade wirklich nicht mehr sehen konnte und die angetrocknete Mortadella auch lieber liegen ließ. Ich wusste ja immer noch nicht, wie meine Leukozyten sich entwickelt hatten, aber sie waren vermutlich im freien Fall.

Irgendwann gegen 10:30 Uhr kam der Stationsarzt vorbei und führte mit mir ein kleines Gespräch. Endlich bekam ich auch meine Blutwerte, sowohl vom vorherigen Nachmittag, als auch vom Morgen. Mein HB-Wert war mittlerweile auf 7,0g/dl gefallen und auch meine Leukozyten fielen bereits kräftig von 3600 auf 1800 – in knapp 15 Stunden.
Der Arzt sagte mir, er möchte mich bis mindestens Silvester dort behalten, um mich zu überwachen. Ich sagte ihm, dass ich wohl Blutkonserven brauche und ziemlich sicher keinen Infekt habe. Ich würde auf keinen Fall bis Silvester bleiben, da ich mir in meinem Leukozyten-Tief im Krankenhaus eher oder sogar garantiert irgendwas einfangen würde (alleine vom Essen). Mein Zimmer war auf der normalen onkologischen Station, ich befand mich ja nicht auf einer Isolierstation. Er wollte mich trotzdem noch mindestens eine Nacht zur Beobachtung dort behalten, doch auch das lehnte ich ab. Als ich dann noch einen Zimmernachbarn bekam war mir klar, dass ich lieber schnell verschwinden sollte.

Wenig später kam mein Onkologe (der irgendwie schon wieder auf der Arbeit war, ich weiß nicht ob er Feierabend kennt) und sagte: „Ich will jetzt hier nicht zweigleisig fahren, weil ich nicht weiß was der Kollege gesagt hat, aber du bekommst gleich Blut und kannst dann gehen“. Ich erzählte ihm von dem Gespräch, aber er war zum Glück komplett auf meiner Seite. Er kannte ja die Probleme mit meinem Immunsystem und meinte genau wie ich, ich sei zuhause sehr viel besser aufgehoben. Schließlich wusste er auch, dass ich mich melden würde, wenn irgendetwas nicht in Ordnung sei.

Die letzte Chemotherapie und Blutkonserven, damit es mir wieder besser geht.

 

Hier fühlte ich mich „noch nicht ganz so fit“ und sehe auch so aus.

Ich bekam meine letzte Chemotherapie, die an diesem Tag eigentlich ambulant stattfinden sollte, aber das hatte sich ja nun erledigt. Wenig später bekam ich endlich zwei Blutkonserven, die jeweils über eine Stunde einliefen. Danach fühlte ich mich wieder sehr fit, quasi aus dem Nichts. Es fühlte sich nicht komisch an, quasi fremdes Blut in mir zu haben, sondern ich war einfach froh, dass es mir besser ging. Besonders meine geistige Abwesenheit wurde von jetzt auf gleich besser.

Mein Onkologe hatte den Entlassungsbrief selber verfasst, sodass mir nur noch die Nadel gezogen wurde und ich sofort nach Hause konnte. Ich konnte sogar wieder Treppen laufen, ohne dass ich dachte ich könnte jeden Moment umkippen.

Das Ende der Chemotherapie rückte so immer näher.

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2 Antworten

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